Anlage 1
Kompetenzen und Standards
für die Ausbildung im Vorbereitungsdienst
und die Staatsprüfung
Der Erziehungs- und Bildungsauftrag der Lehrerinnen und Lehrer konkretisiert sich in sechs Hand-
lungsfeldern:
V Vielfalt als Herausforderung annehmen und als Chance nutzen,
U Unterricht für heterogene Lerngruppen gestalten und Lernprozesse nachhaltig anlegen,
E den Erziehungsauftrag in Schule und Unterricht wahrnehmen,
L Lernen und Leisten herausfordern, dokumentieren, rückmelden und beurteilen,
B Schülerinnen und Schüler und Eltern beraten und
S im System Schule mit allen Beteiligten entwicklungsorientiert zusammenarbeiten.
In diesen Handlungsfeldern erwerben Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter im Vorberei-
tungsdienst professionelle Handlungskompetenzen mit dem Ziel, den Beruf der Lehrerin und des Leh-
rers qualifiziert ausüben zu können.
Das verbindliche Kerncurriculum konturiert und strukturiert die Ausbildung im Vorbereitungsdienst.
Dabei sind die schulischen Handlungsfelder ausbildungsdidaktisch leitend. Alle Handlungsfelder ste-
hen untereinander in einer engen wechselseitigen Beziehung. Sie sind mit jeweils unterschiedlicher
Gewichtung in allen schulischen Bildungs- und Erziehungsprozessen relevant und werden nicht iso-
liert, sondern mit kontinuierlichem Blick auf das Ganze erschlossen.
Dem Handlungsfeld V „Vielfalt als Herausforderung annehmen und als Chance nutzen“ kommt eine
grundlegende Bedeutung zu. Es wirkt richtungsweisend für das Lehrerhandeln in allen anderen Hand-
lungsfeldern. Dabei umfasst der Begriff der Vielfalt alle Ausprägungen von Individualität.
Kompetenz 1:
Lehrkräfte planen Unterricht unter Berücksichtigung unterschiedlicher Lernvoraussetzungen und Ent-
wicklungsprozesse fach- und sachgerecht und führen ihn sachlich und fachlich korrekt durch.
Die Absolventinnen und Absolventen ...
können aus den einschlägigen Erziehungs- und Bildungstheorien Zielperspektiven und Hand-
lungsprinzipien ableiten.
verknüpfen fachwissenschaftliche und fachdidaktische Argumente und planen und gestalten
Unterricht auch unter Berücksichtigung der Leistungsheterogenität.
wählen Inhalte, Medien und Methoden, Arbeits- und Kommunikationsformen anhand entspre-
chender Qualitätskriterien unter Bezug auf Curricula und ggf. individuelle Förderpläne aus.
integrieren analoge und digitale Medien didaktisch sinnvoll und reflektieren den eigenen Medi-
eneinsatz.
überprüfen die Qualität des eigenen Lehrens und reflektieren die Passung zu den Lernvoraus-
setzungen und Lernbedürfnissen der Schülerinnen und Schüler.
Kompetenz 2:
Lehrkräfte unterstützen durch die Gestaltung von Lernsituationen das Lernen von Schülerinnen und
Schülern. Sie motivieren alle Schülerinnen und Schüler und befähigen sie, Zusammenhänge herzustel-
len und Gelerntes zu nutzen.
Die Absolventinnen und Absolventen ...
regen unterschiedliche Formen des Lernens an und unterstützen diese.
gestalten Lehr-Lernprozesse unter Berücksichtigung der Erkenntnisse über den Erwerb von
Wissen und Fähigkeiten.
stärken die Lern- und Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schülern.
führen und begleiten Lerngruppen.
reflektieren das wachsende Medienangebot kritisch und wählen daraus angemessen, sozial ver-
antwortlich und rechtssicher aus.
gestalten Unterrichtsmaterialien sowie analoge und digitale Medien selbstständig und lernför-
derlich.
nutzen die lerntheoretischen und didaktischen Möglichkeiten digitaler Medien für schulische
Lehr- und Lernprozesse, insbesondere für die individuelle, auch sonderpädagogische, Förde-
rung von Einzelnen oder Gruppen.
Kompetenz 3:
Lehrkräfte fördern die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler zum selbstbestimmten Lernen und
Arbeiten.
Die Absolventinnen und Absolventen ...
vermitteln und fördern Lern- und Arbeitsstrategien.
vermitteln den Schülerinnen und Schülern Methoden des selbstbestimmten, eigenverantwortli-
chen und kooperativen Lernens und Arbeitens.
kennen Potentiale und Bedingungen des Einsatzes digitaler Medien für das selbstbestimmte
Lernen.
befähigen die Schülerinnen und Schüler, bewusst und überlegt mit Medien und eigenen Daten
in digitalen Räumen umzugehen und die Folgen des eigenen Handelns zu reflektieren.
Kompetenz 4:
Lehrkräfte kennen die sozialen, kulturellen und technologischen Lebensbedingungen, etwaige Benach-
teiligungen, Beeinträchtigungen und Barrieren von und für Schülerinnen und Schüler(n)1 und nehmen
im Rahmen der Schule Einfluss auf deren individuelle Entwicklung.
Die Absolventinnen und Absolventen ...
erkennen Benachteiligungen, Beeinträchtigungen sowie Barrieren, realisieren pädagogische Un-
terstützung und Präventionsmaßnahmen. Sie nutzen hierbei die Möglichkeiten der Kooperation
mit anderen Professionen und Einrichtungen.
unterstützen Schülerinnen und Schüler individuell und arbeiten mit Eltern vertrauensvoll zu-
sammen.
beachten die soziale und kulturelle Diversität in der jeweiligen Lerngruppe.
entwickeln und erproben Konzepte, mit denen Schülerinnen und Schüler zur Gestaltung und
kritischen Reflexion der digitalen Welt befähigt werden.
Kompetenz 5:
1
Diese Beschreibung schließt Behinderungen im Sinne der Behindertenrechtskonvention ein. Sie trägt zugleich dem Um-
stand Rechnung, dass die im bildungswissenschaftlichen Kompetenzbereich „Erziehen“ zu berücksichtigende Unterschied-
lichkeit sich nicht vor allem durch eine Behinderung begründet.
Lehrkräfte vermitteln Werte und Normen, eine Haltung der Wertschätzung und Anerkennung von
Diversität und unterstützen selbstbestimmtes und reflektiertes Urteilen und Handeln von Schülerinnen
und Schülern.
Die Absolventinnen und Absolventen ...
reflektieren Werte und Werthaltungen und handeln entsprechend.
analysieren und bewerten Medien mit Schülerinnen und Schülern und regen zur Reflexion des
eigenen Medienhandelns an.
üben mit den Schülerinnen und Schülern eigenverantwortliches Urteilen und Handeln ein.
setzen Formen des konstruktiven Umgangs mit Normkonflikten ein.
Kompetenz 6:
Lehrkräfte finden alters- und entwicklungspsychologisch adäquate Lösungsansätze für Schwierigkeiten
und Konflikte in Schule und Unterricht und tragen zu einem wertschätzenden Umgang bei.
Die Absolventinnen und Absolventen ...
gestalten soziale Beziehungen und soziale Lernprozesse in Unterricht und Schule.
erarbeiten mit den Schülerinnen und Schülern Regeln des wertschätzenden Umgangs miteinan-
der und setzen diese um.
wenden im konkreten Fall Strategien und Handlungsformen der Konfliktprävention und -lösung
an.
gestalten und vermitteln Lösungsansätze zum Umgang mit Chancen und Risiken der Medien-
nutzung.
Kompetenz 7:
Lehrkräfte diagnostizieren Lernvoraussetzungen und Lernprozesse von Schülerinnen und Schülern; sie
fördern Schülerinnen und Schüler gezielt und beraten Lernende und deren Eltern.
Die Absolventinnen und Absolventen ...
erkennen Entwicklungsstände, Lernpotenziale, Lernhindernisse und Lernfortschritte.
erkennen individuelle Lernausgangslagen und setzen spezielle Fördermöglichkeiten ein.
erkennen Begabungen und kennen Möglichkeiten der Begabungsförderung.
stimmen Lernmöglichkeiten und Lernanforderungen aufeinander ab.
setzen unterschiedliche Beratungsformen situationsgerecht ein und unterscheiden Beratungs-
funktion und Beurteilungsfunktion.
kooperieren bei der Diagnostik, Förderung und Beratung inner- und außerschulisch mit Kolle-
ginnen und Kollegen sowie mit anderen Professionen und Einrichtungen.
nutzen digitale Lernprozessdiagnostik im Wissen um ihre Möglichkeiten und Grenzen, auch zur
Reflexion über die eigene Unterrichtstätigkeit.
Kompetenz 8:
Lehrkräfte erfassen die Leistungsentwicklung von Schülerinnen und Schülern und beurteilen Lernpro-
zesse und Leistungen auf der Grundlage transparenter Beurteilungsmaßstäbe.
Die Absolventinnen und Absolventen ...
konzipieren Aufgabenstellungen kriteriengeleitet und formulieren sie adressatengerecht.
wenden Bewertungsmodelle und Bewertungsmaßstäbe fach- und situationsgerecht an.
verständigen sich auf Beurteilungsgrundsätze mit Kolleginnen und Kollegen.
begründen Bewertungen und Beurteilungen adressatengerecht und zeigen Perspektiven für das
weitere Lernen auf.
nutzen reflektiert digitale Möglichkeiten zur Unterstützung der Leistungserfassung, -feststellung
und -bewertung.
nutzen Leistungsüberprüfungen als konstruktive Rückmeldung über die eigene Unterrichtstätig-
keit.
Kompetenz 9:
Lehrkräfte sind sich der besonderen Anforderungen des Lehrerberufs bewusst und beziehen gesell-
schaftliche, kulturelle und technologische Entwicklungen in ihr Handeln ein. Sie verstehen ihren Beruf
als ein öffentliches Amt mit besonderer Verantwortung und Verpflichtung.
Die Absolventinnen und Absolventen …
lernen, mit Herausforderungen, Veränderungen und Belastungen umzugehen.
setzen Arbeitszeit und Arbeitsmittel zweckdienlich und ökonomisch ein und nutzen digitale
Möglichkeiten zur Unterstützung der Organisation von unterrichts- und schulbezogenen Tätig-
keiten unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Anforderungen.
praktizieren kollegiale Beratung als Hilfe zur Unterrichtsentwicklung und Arbeitsentlastung.
Kompetenz 10:
Lehrkräfte verstehen ihren Beruf als ständige Lernaufgabe und entwickeln ihre Kompetenzen weiter.
Die Absolventinnen und Absolventen …
reflektieren die eigenen beruflichen Haltungen, Erfahrungen und Kompetenzen sowie deren
Entwicklung und können hieraus Konsequenzen ziehen.
nutzen Erkenntnisse der Bildungs- und Schulforschung für die eigene Tätigkeit.
dokumentieren für sich und andere die eigene Arbeit und ihre Ergebnisse.
geben Rückmeldungen und nutzen die Rückmeldungen anderer dazu, ihre pädagogische Arbeit
zu optimieren.
nehmen Mitwirkungsmöglichkeiten wahr.
kennen und nutzen Unterstützungsmöglichkeiten für Lehrkräfte.
nutzen individuelle und kooperative Fort- und Weiterbildungsangebote.
nutzen die Möglichkeiten digitaler Technologien zur Zusammenarbeit und Professionalisierung.
Kompetenz 11:
Lehrkräfte beteiligen sich an der Schul- und Unterrichtsentwicklung.
Die Absolventinnen und Absolventen …
wenden Ergebnisse der Schul-, Unterrichts- und Bildungsforschung auf die Gestaltung von
Schul- und Unterrichtsentwicklung an.
nutzen Verfahren und Instrumente der internen Evaluation zur Qualitätsentwicklung von Unter-
richt und Schule.
planen schulische Projekte und Vorhaben kooperativ und setzen sie um.
können schulische Innovationsprozesse mitgestalten und erproben reflektiert neue Konzepte,
Anwendungen und Technologien.