PO · Nordrhein-Westfalen

Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Rettungshelferinnen und Rettungshelfer (RettHelfAPO)

Ausfertigungsdatum:
01.01.2001
1 Vorschrift · Amtliche Fassung →

Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Rettungshelferinnen und Rettungshelfer (RettHelfAPO)

215 Anlage 1 vom 9.6.2000 Lernzielkatalog Ausbildung RettHelf NW Anlage 1 (zu § 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1) Lernzielkatalog für die theoretische Rettungshelferausbildung in Nordrhein-Westfalen Präambel: Die Ausbildung nach § 1 RettHelfAPO hat das Ziel, Rettungshelferinnen und Rettungshelfer für ihren Einsatz im Rahmen des Rettungsgesetzes Nordrhein-Westfalen zu qualifizieren. Der Lernzielkatalog soll einen einheitlichen Qualitätsstandard sichern. 16 I. Ablauf einer Hilfeleistung – Rettungskette UE*) Rettung und Krankentransport Zusammenarbeit mit Dritten Lernziele • Die Teilnehmer können den Ablauf der Versorgung bei Notfall- und Nichtnotfalleinsätzen anhand der Rettungskette darstellen. • Die Teilnehmer können die Aufgaben und Zuständigkeiten der an dieser Versorgung beteiligten Personengruppen beschreiben. • Die Teilnehmer können die Grundsätze einer rückenschonenden Arbeitsweise beim Heben und Tragen umsetzen und können den Patienten/Betroffenen sachgerechte Hilfestellungen (insbe- sondere beim Aufstehen und Hinlegen, beim An- und Auskleiden, beim Gehen) geben. • Die Teilnehmer beherrschen die Maßnahmen der Rettung in der Erstversorgung unter Berück- sichtigung des Eigen-/Fremdschutzes. • Die Teilnehmer beherrschen die in ihrem Aufgabenbereich erforderlichen Maßnahmen zur Trans- portvorbereitung, -durchführung und -nachbereitung (insbesondere: Formen der Krankentranspor- te, Lagerungs- und Umlagerungstechniken mit geeignetem Material, Einsatzdokumentation und - kommunikation). • Die Teilnehmer können im Umgang mit Rollstühlen theoretische Grundkenntnisse umsetzen und beherrschen einfache praktische Fertigkeiten unter Berücksichtigung der notwendigen Sicher- heitsaspekte. • Die Teilnehmer kennen Zuständigkeiten und organisatorische Abläufe im Einsatz bei der Zu- sammenarbeit mit Dritten (insbesondere: Ersthelfer, Hausärzte, Polizei, Feuerwehr, etc.). 8 UE*) II. Rechtsfragen im Rettungsdienst Lernziele • Die Teilnehmer kennen die für ihre Tätigkeit als Rettungshelfer in Nordrhein-Westfalen zu beach- tenden rechtlichen Bestimmungen und können deren Bedeutung/Konsequenzen an Beispielen erläutern. 14.04.2000 Seite 1 Lernzielkatalog Ausbildung RettHelf NW Hierzu gehören insbesondere: • Rettungsgesetz Nordrhein-Westfalen (§ 2, §4, §5, §7 RettG NW) • Unterlassene Hilfeleistung (§ 323 c StGB) • Verletzung von Privatgeheimnissen („Schweigepflicht“) (§ 203 StGB) • Körperverletzung (§ 230 StGB) • Rechtfertigender Notstand (“Notkompetenz“) (§ 34 StGB) • Geschäftsführung ohne Auftrag (§ 677 BGB), - zur Gefahrenabwehr (§ 680 BGB) • Schadenersatzpflicht (§ 823 BGB) • Haftung für den Verrichtungsgehilfen (§ 831 BGB) • Straßenverkehrsrecht (§§ 1, 34, 35, 38 u.49 StVO) u. Fahrerlaubnisverordnung • PsychKG • Arzneimittelrecht - BTM • Bundesseuchengesetz („Meldepflicht“) • Medizinproduktegesetz (MPG) • Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MP BetreibV) • BGV Gesundheitsdienst (BGV C 8) und Schutzbekleidung im Rettungsdienst • Transportverweigerung 2 UE*) III. Physiologie/Pathophysiologie des Bewusstseins Lernziele • Die Teilnehmer erkennen Störungen des Bewusstseins und das daraus resultierende Ausmaß der Gefährdung für den Betroffenen. • Die Teilnehmer beherrschen die Sofortmaßnahmen bei Bewusstseinsstörungen und können bei den erweiterten Maßnahmen unterstützend helfen. 6 UE*) IV. Anatomie/Physiologie/Pathophysiologie der Atmung Lernziele • Die Teilnehmer sind mit den Grundlagen der Anatomie und Physiologie (Normalfunktion) der Atmung vertraut. • Die Teilnehmer erkennen Störungen der Atmung und das daraus resultierende Ausmaß der Ge- fährdung für den Betroffenen. • Die Teilnehmer beherrschen die Sofortmaßnahmen bei Atemstörungen und können bei den er- weiterten Maßnahmen unterstützend helfen. 12 V. Anatomie/Physiologie/Pathophysiologie des Kreislaufs UE*) Lernziele • Die Teilnehmer sind mit den Grundlagen der Anatomie und Physiologie (Normalfunktion) des Herz-Kreislaufsystems vertraut. • Die Teilnehmer erkennen Störungen der Herz-Kreislauffunktion und das daraus resultierende Ausmaß der Gefährdung für den Betroffenen. • Die Teilnehmer beherrschen die Sofortmaßnahmen bei Herz-Kreislaufstörungen und können bei den erweiterten Maßnahmen unterstützend helfen. 1 UE*) VI. Durchblutungsstörungen Lernziele • Die Teilnehmer können akute periphere Gefäßverschlüsse erkennen und die daraus resultieren- den Gefahren für den Betroffenen erklären. • Die Teilnehmer können anhand der typischen Symptome eine zerebrale Durchblutungsstörung (insbesondere: Apoplex) erkennen und die daraus resultierenden Gefahren für den Betroffenen erklären. • Die Teilnehmer beherrschen die Sofortmaßnahmen und können bei den erweiterten Maßnahmen unterstützend helfen. 14.04.2000 Seite 2 Lernzielkatalog Ausbildung RettHelf NW 2 UE*) VII. Blutstillung / Wundversorgung Lernziele • Die Teilnehmer beherrschen die Basismaßnahmen der Blutstillung. • Die Teilnehmer können bei verschiedenen Wundarten die daraus jeweils resultierenden Gefahren für den Betroffenen erklären. • Die Teilnehmer können Wunden sachgerecht versorgen. 2 UE*) VIII. Schock Lernziele • Die Teilnehmer können den Schockmechanismus in seinen pathophsiologischen Grundzügen erläutern. • Die Teilnehmer beherrschen die Sofortmaßnahmen und können bei den erweiterten Maßnahmen unterstützend helfen. 1 UE*) IX. Hypoglykämischer Schock und hyperglykämisches Koma (als Beispiel einer Stoffwechselentgleisung) Lernziele • Die Teilnehmer haben Grundkenntnisse über das Krankheitsbild „Diabetis mellitus“ und können anhand der Symptome einen hypoglykämischen Schock bzw. ein hyperglykämisches Koma er- kennen. • Sie sind in der Lage, eine Blutzuckerbestimmung vorzunehmen. • Die Teilnehmer beherrschen die Sofortmaßnahmen und können bei den erweiterten Maßnahmen unterstützend helfen. 1 UE*) X. Akuter Bauch / Bauchtrauma Lernziele • Die Teilnehmer können anhand der Anamnese und der Leitsymptome (Schmerzort und -typ, Schockzeichen, Verletzungen und Traumazeichen) auf die vitale Gefährdung des Patienten schließen. • Die Teilnehmer beherrschen die Sofortmaßnahmen und können bei den erweiterten Maßnahmen unterstützend helfen. 1 UE*) XI. Geburt Lernziele • Die Teilnehmer können bei einer einsetzenden Geburt eine Kreißende sachgerecht betreuen und transportieren. • Die Teilnehmer können die Fortentwicklung des Geburtsvorgangs in seinen Grundzügen ein- schätzen und ggf. bei der Durchführung rettungsdienstlicher Basismaßnahmen unterstützend helfen. 2 UE*) XII. Polytrauma / Schädel-Hirn-Trauma Lernziele • Die Teilnehmer kennen die Definition des Polytraumas. • Die Teilnehmer können bei der Versorgung Polytraumatisierter / Schädel-Hirn-Verletzter unter- stützend helfen. 14.04.2000 Seite 3 Lernzielkatalog Ausbildung RettHelf NW 3 UE*) XIII. Verätzungen / Thermische Schäden / Stromunfälle Lernziele • Die Teilnehmer können Verätzungen durch Säuren und Laugen anhand von Symptomen erken- nen. • Die Teilnehmer können die Sofortmaßnahmen bei Verletzungen mit Säuren und Laugen unter Berücksichtigung des Eigenschutzes durchführen. • Die Teilnehmern können die pathophysiologischen Auswirkungen der verschiedenen thermischen Schäden (lokal - systemisch) auf den menschlichen Organismus in ihren Grundzügen beschrei- ben. • Die Teilnehmer können thermische Schäden an ihren Symptomen erkennen und die daraus für den Betroffenen resultierenden Gefahren einschätzen. • Die Teilnehmer beherrschen die Sofortmaßnahmen und können bei den erweiterten Maßnahmen unterstützend helfen. • Die Teilnehmer können die unterschiedlichen Auswirkungen bei Nieder- bzw. Hochspannungs- unfällen auf den menschlichen Organismus beschreiben. • Die Teilnehmer können unter Beachtung des Eigenschutzes die Sofortmaßnahmen und die ret- tungsdienstlichen Basismaßnahmen durchführen. 1 UE*) XIV. Vergiftungen Lernziele • Die Teilnehmer können aus dem Umfeld und dem Verhalten des Betroffenen auf eine Vergif- tungsgefahr schließen. • Die Teilnehmer können unter Beachtung des Eigenschutzes die rettungsdienstlichen Basismaß- nahmen bei Vergiftungsnotfällen durchführen. 6 UE*) XV. Erkrankungen und Verletzungen des Bewegungsapparates Lernziele • Die Teilnehmer sind mit dem Aufbau und der regelrechten Funktionsweise des Bewegungsappa- rates vertraut. • Die Teilnehmer können die verschiedene Erkrankungen und Verletzungenarten der Knochen und Gelenke (insbesondere: Lumbago/Fraktur/Luxation/Distorsion) an ihrer Symptomatik erkennen und die daraus für den Betroffenen resultierenden Gefahren einschätzen. • Die Teilnehmer sind in der Lage, insbesondere unter Anwendung adäquaten Immobilisationsma- terials, die rettungsdienstlichen Basismaßnahmen durchzuführen und den Patienten fachgerecht zu lagern und zu transportieren. 2 UE*) XVI. Arzneimittel Lernziele • Die Teilnehmer kennen Arzneimittelformen und können Verabreichungsformen und Verabrei- chungswege aufzeigen. • Die Teilnehmer können die Gabe von Arzneimitteln sachgerecht vorbereiten und bei deren Verab- reichung unterstützend helfen. 2 UE*) XVII. Hygiene und Infektionskrankheiten Lernziele • Den Teilnehmern ist die Bedeutung der Hygiene, besonders in der Versorgung von Verletzten und Kranken, bewusst. • Die Teilnehmer können sich nach den Grundsätzen der Hygiene kleiden und so verhalten, dass eine Ausbreitung von Infektionskrankheiten verhindert und ein adäquater Eigen- und Fremdschutz gewährleistet ist. 14.04.2000 Seite 4 Lernzielkatalog Ausbildung RettHelf NW 9 UE*) XVIII. Soziale Kompetenz: Umgang mit Patienten und Angehörigen Kommunikation - hilfreiches Gesprächsverhalten Lernziele • Die Teilnehmer berücksichtigen im Umgang mit Patienten und Angehörigen deren individuelle psychische und physische Belastbarkeit (insbesondere bei behinderten und älteren Menschen). • Die Teilnehmer können die praxisrelevanten theoretische Grundlagen der Wahrnehmung und der Gesprächsführung auf unterschiedliche Personengruppen/ Situationen übertragen und in prakti- schen Übungen anwenden. 1 UE*) XIX. Einführung in das Rettungswachenpraktikum Lernziele • Die Teilnehmer sind über die Zuständigkeiten, Verantwortlichkeiten und organisatorischen Ab- läufen auf einer Rettungswache informiert. • Die Teilnehmer können ihre Tätigkeit und rechtliche Stellung während des Rettungswachenprak- tikums beschreiben. 2 UE*) XX. Abschlussprüfung Ziel • Die Teilnehmer können auf der Grundlage der aufgeführten Lernziele entsprechende Kenntnisse und Fertigkeiten nachweisen. *) UE = Unterrichtseinheit zu je 45 Minuten 14.04.2000 Seite 5

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Nicht-amtliche Wiedergabe. Maßgeblich ist der amtliche Text. Quelle: recht.nrw.de.